Letterpress – der hochwertige Buchdruck erlebt sein Revival

Mit der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg war Letterpress vom 15. bis zum späten 20. Jahrhundert das Mittel der Wahl, um Bücher und andere Schriften zu drucken. Erstaunlich, welche enormen weltweiten Auswirkungen der Buchdruck auf die gesamte Menschheit mit sich brachte. Er beeinflusste Bildung ebenso wie den internationalen Austausch von Informationen bis hin zur Entwicklung ganzer Berufsgruppen wie bspw. Lehrer, Ärzte, Künstler, Ingenieure und vieler mehr.

Die ursprüngliche Technik blieb bis in die frühen 1970-er Jahre weltweit populär. Erst mit zunehmenden technischen und maschinellen Möglichkeiten durch den Offsetdruck und den computerunterstützten Digitaldruck sowie self-publishing Prozesse wurde sie verdrängt. Viele alteingesessene Unternehmen, die sich lediglich dieser traditionellen Buchdruckkunst des Letterpress verschrieben hatten, verschwanden von der Bildfläche.

Seit den 1990-er Jahren und insbesondere in den 2000ern erlebt das Thema Letterpress – wenn auch global gesehen eher als Nischenphänomen – in den USA und Europa eine wahrhaftige Wiederauferstehung. Insbesondere bei der Herstellung hochwertiger Drucksachen ist Letterpress in kleineren Druckmanufakturen – wie bspw. bei der Druckerei Gottschalk – wieder eine anerkannte und viel verwendete Drucktechnik. Allerdings wird diese Jahrhunderte alte Technik mit modernen Kenntnissen gekoppelt. Oftmals wird auf die klassische, sehr aufwendige Satzherstellung verzichtet und gravierende Druckformen aus digitalen Daten erstellt. Eine Jahrzehnte alte  Buchdruckmaschine kann so mithilfe digital umgesetzter Entwürfe arbeiten, als wäre sie damals für diese moderne Technik gebaut worden.

Letterpress ist wahre Druckkunst – damals wie heute

Wenn man die gutenbergsche Druckkunst wörtlich nimmt, werden auch heute noch einzelne Buchstaben und Motive aus Blei kunstvoll gesetzt. Eine metallene Presse wie der OHT, besser bekannt unter Original Heidelberger Tiegel, druckt dann den Satz in feinste Materialen, wie Büttenpapier, voluminösen Karton oder hochwertige Papiere von Gorsmühle mit Wasserzeichen.

Dieser echte Bleisatz mit leichten Schattierungen und durch Metallplatten geschaffene Prägedrucke, die im Material versinken und es regelrecht modellieren, verschaffen dem Betrachter ein sinnliches und haptisches Vergnügen. Dabei ist dieser alte Buchdruck eine Technik des Reliefdrucks. Durch wiederholten direkten Abdruck einer eingefärbten, erhabenen Oberfläche auf ein Blatt oder eine durchgehende Papierrolle können damit viele Kopien einer Vorlage erstellt werden.

Damals verriegelte ein Arbeiter bewegliche Positive (Buchstaben) in einer Satzform der Presse. Er färbte sie mit einer Walze ein und drückte sie gegen Papier, um die Farbe auf das Material zu übertragen. Heute wird im Allgemeinen mit speziellen Druckplatten oder Klischees aus Metall oder Polymer gearbeitet. Diese werden auf Basis der Druckdaten jeweils individuell angefertigt.

Die hübsch anzusehende Kombination von Buchstaben und Grafik war früher Fachleuten (Bleisetzern) vorbehalten, war zeitintensiv und unterlag damit großer Limitierung. Heute kann der Computer in Windeseile Textvorlagen in unterschiedlichen Varianten erstellen. Dabei sind der gestalterischen Vielfalt kaum Grenzen gesetzt.

Hier reicht bereits eine druckfähige PDF-Datei mit Sonderfarben aus, und zwar als Volltonfarbe angelegt (z.B. Pantone oder HKS). Denn beim Letterpress wird kein normaler Vierfarbdruck in CMYK – wie bei modernen Online- Druckereien üblich – benutzt. Es lässt sich immer nur eine Farbe gleichzeitig drucken, mehr als drei Farben pro Druckjob sind eher die Seltenheit. Technisch gesehen ist ein vielfarbiges Motiv kein Problem. Allerdings muss für jede einzelne Farbe eine eigene Druckplatte (Klischee) erstellt werden. Dadurch setiegen Aufwand und Kosten unverhältnismäßig. Deshlab wird hiervon Abstand genommen.

Doch auch Einfachheit verspielt ihre Wirkung nicht. Denn durch den Letterpress-Prägedruck ergibt sich besonders bei einfacheren Grafik-Elementen eine haptisch erfühlbare Dreidimensionalität. Gerade bei hoch voluminösen Materialien und starkem Druck wird mit der farblichen Bedruckung gleichzeitig eine Tiefprägung erreicht, die ohne Zweifel einen hochqualitativen Eindruck hinterlässt.

Kundenmagnet Letterpress – diese Materialien eignen sich besonders

  • Papier: Naturpapiere, die ungestrichen und nicht geglättet oder beschichtet sind, eigenen sich ganz hervorragend für Letterpress. Auch bereits geprägte Papiere sind nicht zu empfehlen, wohingegen sich Papiere mit rauer Oberfläche oder Filzmarkierungen gut eignen. Im Vergleich zum Offset- oder Digitaldruck werden bevorzugt dicke Papierstärken oder Materialien mit nachgebender Oberfläche genutzt. Sie eignen sich für ein haptisches Relief besonders gut. Kommen voluminöse Papiersorten zum Einsatz, sollte das Material ungestrichen und hoch saugfähig sein. Wir empfehlen dazu insbesondere Papiere von Metapaper und Gmund, aber auch von Gorsmühle.
  • Farben: Wie oben erwähnt werden Pantone- oder HKS Farben benutzt, denn hier handelt es sich um Sonderfarben. Bereits mit einer einzigen Farbe kann eine hochwertige Anmutung erreicht werden. So wird bspw. ein hochwertiges Briefpapier mit einfarbigem Logo und einfarbigem Schriftzug in zwei Druckdurchgängen mit jeweils einer Farbe bedruckt. Die einzelnen Farben werden also nicht vorab zusammengesetzt, sondern mit hochwertigen Volltonfarben separat gedruckt. Sie sehen sowohl auf weißem als auch farbigem Papier gleichermaßen hochwertig aus.
  • Stärken: Große Flächen in einheitlicher Anmutung sind mit Letterpress kaum zu erreichen. Sie wirken eher – unter künstlerischem Anspruch gesehen – unvollkommen schön bzw. authentisch „wie handgemacht“. Raster und langflächige Linien sehen eher gut aus, wenn sie grobstruktureller daherkommen als kleinteilig. Was Typographie und Punkte angeht – diese Stilmittel lassen sich mit nur einer kleinen Einschränkung hervorragend drucken. Sehr winzige Schrift sollte nicht fett gedruckt werden, wenn es doch unbedingt sein muss, hilft hier eine Erweiterung der Laufweite. Grundsätzlich eignen sich Produkte, bei denen der Fokus auf einem hochwertigen Schriftzug liegt, wie bspw. Einladungen, Briefpapier oder Visitenkarten. Auch Illustrationen für Buch-Cover oder exklusive Kunstbücher sind optimale Produkte für Letterpress.

Produkte mit Letterpress will man einfach haben

Historische Druckereikunst ist damals wie heute klassisches Manufaktur-Handwerk, so wie wir es in der Druckerei Gottschalk hochhalten und pflegen. Hochqualitatives Handwerk ist nun mal nicht automatisierbar. Auch Letterpress erfordert echtes Können, vergleichbar mit der Herstellung eines maßgeschneiderten Anzugs oder einem von Hand restaurierten Oldtimer. Diese Liebhaberstücke mit außergewöhnlich hoher Qualität braucht man heutzutage nicht unbedingt. Aber man muss sie unbedingt haben, wenn man etwas Einzigartiges sucht. Dieser Einzigartigkeit sind wir verpflichtet – besondere Qualität in zügiger Produktion zu einem fairen Preis. Wir besprechen sehr gerne und kompetent mit Ihnen alle nötigen Details zu Druckdateien, Projektanforderungen oder Kalkulationen per E-Mail, telefonisch oder direkt bei uns vor Ort.